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Webzwonull plus GPL: die AGPL

26. Januar 2008

Die GPL wurde in Zeiten geschrieben, in denen Webanwendungen bei weitem nicht die gleiche Relevanz wie heute hatten: Programme wie EyeOS, die ein eigenes Betriebssystem im Browser simulieren, Google Documents, Gmail und andere waren nicht im Entferntesten vorstellbar.

Dieser Sachverhalt führt zu folgendem Problem: traditionell muss man Programme auf GPL-Basis, wenn man sie bearbeitet und weiter gibt, ebenfalls unter die GPL stellen und den Quelltext mitliefern. Dies jedoch trifft auf moderne Webprogramme wie Drupal, WordPress, Joomla und andere nur bedingt zu. Hier hat man die Möglichkeit, die GPL ein Stück weit „auszutricksen“: man kann ein CMS wie WordPress verwenden, von der Arbeit anderer profitieren und muss Verbesserungen trotzdem nicht weitergeben, auch wenn man andere daran indirekt teilhaben lässt. Ein extrem aufgebohrtes WordPress mit Funktionen, die auch anderen zugute kämen, jedoch nur dem Autor bekannt sind, ist juristisch gesehen vollständig GPL-konform; moralisch gesehen kann man hier anderer Meinung sein.

Diese Lücke versucht die AGPL, die Affero GNU General Public Licence, zu schließen. Frühere Versionen wurden nicht von der Free Software Foundation veröffentlicht, die aktuelle Version, die AGPLv3, jedoch schon. Dies hat den Vorteil, dass man nun zum ersten Mal GPLv3- und AGPLv3-Programme gemeinsam verwenden kann, da die Lizenzen nicht mehr komplett inkompatibel sind. Frühere Versionen der AGPL und der GPL waren zueinander inkompatibel, obwohl die eine auf der anderen basierte. Eine reichlich paradoxe Situation, die jedoch dem starken Copyleft der GPL bzw. der AGPL geschuldet ist. Auch die aktuellen Versionen der AGPL und der GPL können nicht beliebig kombiniert werden: ein GPLv3-Programm kann niemals ein AGPLv3-Programm werden bzw. umgekehrt – durch das starke Copyleft muss ein GPLv3-Programm immer ein GPLv3-Programm bleiben und ein AGPLv3-Programm immer ein AGPLv3-Programm.

Bei der Kombination von GPLv3- und AGPLv3-Programmen verbleiben die AGPLv3-Teile weiterhin AGPLv3, das gemeinsame Werk fällt hingegen unter die GPLv3. Die „Bevorzugung“ der GPL ist hierbei kein Versehen oder gar Zufall, sondern gewollt.

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