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Microsoft will Yahoo kaufen? Gut so!

2. Februar 2008

Schon im Mai 2007, als Microsoft gegen Google beim Kampf um DoubleClick verloren hat, war die Übernahme Yahoos durch Microsoft im Gespräch. Damals führten die Gespräche zu keinem Ergebnis, wohl auch, weil Yahoo noch in einer stärkeren Position als heute war. Heute jedoch sieht die Sachlage anders aus: Yahoo hat gegen Google keine Chance, gegen Microsoft ebensowenig. Yahoo ist zu groß, um schnell unterzugehen, aber gleichzeitig auch zu klein, um noch ernsthaft eine Rolle zu spielen. Microsoft hat den Internetbereich nie ernsthaft bearbeitet und war immer zu unbeweglich, um dort wirklich erfolgreich zu sein. Die Verdrängung des Netscape Navigators durch den Internet Explorer ist ausschließlich auf die überragende Marktmacht Microsofts und die Bündelung mit Windows zurückzuführen. Gleichzeitig wurde Netscape faul und träge und hat nötige Innovationen unterlassen. Der erste Browserkrieg ging zu Gunsten Microsofts aus, jedoch kostete er Microsoft etliche Milliarden.

Der zweite Browserkrieg ist in vollem Gange und Microsoft ist im Begriff, ihn zu verlieren: der Internet Explorer wird natürlich auf absehbare Zeit nicht von der Bildfläche verschwinden, doch alternative Browser, besonders der FLOSS-Browser Firefox, nehmen dem Internet Explorer beständig Marktanteile ab.

Google ist omnipotent im Suchmaschinenbereich: trotz Windows-MSN-Bündelung ist Google weltweit die beliebteste Suchmaschine, Yahoo und Microsoft teilen sich die Plätze zwei und drei.

Während Yahoo einige sehr beliebte typische Web-2.0-Anwendungen wie Flickr und del.icio.us gekauft hat, ist man bei Microsoft noch nicht einmal dazu in der Lage: der Einstieg bei Facebook ist der erste ernsthafte Schritt in dieser Richtung. Ob es notwendig war, für 2,6 Prozent über 240 Millionen Dollar zu bezahlen oder ob das vielmehr für die zunehmende Verzweiflung Microsofts spricht, einen Fuß in den Web-2.0-Markt zu bekommen, kann man unterschiedlich bewerten. Fest steht: Facebook ist keine 15 Milliarden Dollar wert.

Große Unternehmen wie Google und Yahoo kaufen kleine Start-Ups, um von der dort herrschenden Kreativität zu profitieren und das eigene Unternehmen wieder neu zu beleben. Davon profitieren alle Seiten: das vielversprechende Start-Up kann weiter wachsen, da es neue Gelder erhält, das große Unternehmen kann seine Marktanteile verfestigen und sogar vergrößern. Hierbei ist es nicht unbedingt notwendig, dass diese Start-Ups profitabel sind: Marktanteile sind von Relevanz.

Doch Yahoo ist kein kleines Start-Up, sondern genau wie Microsoft und Google ein großer Konzern: auch wenn Yahoo nicht (mehr) in der gleichen Liga wie diese spielt, ist es dennoch ein Riesenmonster. Und die Integration Yahoos wird teuer, schmerzhaft und anstrengend werden.

Dennoch ist die Entscheidung Microsofts folgerichtig: Microsoft ist auf allen Feldern unter Beschuss. Die Internetsparte war nie wirklich erfolgreich, Google und früher Yahoo waren zu stark. (Die Internetdienste Microsofts sind nur deshalb einigermaßen erfolgreich, weil weit über 90 Prozent aller Computernutzer Windows einsetzen und somit zwangsläufig mit Windows Live, MSN und Co. in Kontakt kommen.) Im Softwarebereich werden FLOSS-Anwendungen immer mehr zu einer ernstzunehmenden Alternative, auch wenn Microsoft hier sicherlich noch auf Jahre hinweg die dominierende Rolle einnehmen wird. Auch die Konsolensparte ist nicht wirklich erfolgreich: das von Microsoft geförderte HD-Format HD-DVD hat den Formatkrieg gegen die Sony-Variante Blu-Ray verloren, wozu die Playstation 3 sicherlich auch beigetragen hat; die X-Box bringt zwar mittlerweile Gewinn, musste jedoch anfangs massiv subventioniert werden.

Zusammengefasst bleibt feszuhalten: Microsoft sieht seine Felle davonschwimmen. Während Vista beim Kunden floppt und in den Regalen verstaubt, greifen immer mehr Nutzer zu Alternativen und Großkonzerne wie IBM unterstützen aktiv FLOSS-Software. Die Entscheidung Microsofts, Yahoo kaufen zu wollen, ist von daher auch ein sicheres Indiz für die schwächer werdende Position Microsofts. Microsoft ist nicht mehr der allmächtige und unbesiegbare Software-Weltmarktführer, sondern nur noch ein normaler Großkonzern. Ein unglaublich mächtiger und großer Konzern, den man auf keinen Fall unterschätzen darf, aber jedoch auch nicht mehr.

Ob Microsoft Yahoo wirklich kauft, ob doch nichts daraus wird ist und ob MicrosoftYahoo Google ernsthaft Marktanteile abnehmen können wird ist hierbei nicht weiter von Relevanz: Microsoft zeigt Nerven, der FLOSS-Vormarsch jedoch ist nicht mehr zu stoppen.

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