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Zur Problematik proprietärer Treiber

12. Februar 2008

Eine Tatsache, die Anwender immer wieder vom Wechsel auf GNU/Linux-Systeme abhählt, ist die teilweise nur unzureichende Unterstützung der Hardware. Dass dies nicht die „Schuld“ der Linux-Entwickler ist, sondern damit zu tun hat, dass viele Firmen es bevorzugen, lediglich Treiber für Windows zur Verfügung zustellen, ist dem normalen Anwender egal – und das vollkommen zu Recht. Nicht funktionierende Hardware ist ein K.O.-Kriterium für den Wechsel.

Warum sperren sich dann so viele langjährige GNU/Linux-Anwender und Kernel-Entwickler so sehr gegen funktionierende, aber proprietäre Treiber?

Dafür gibt es mehrere Gründe: einmal eine rechtliche Seite, eine moralische und auch eine schnöde technische. Die rechtliche Problematik ist schlicht und ergreifend, dass nicht klar ist, inwieweit proprietäre Treiber, vornehmlich Grafikkartentreiber, die auf Funktionen des Kernels zurückgreifen, auf ihn linken – manch ein Kernel-Entwickler ist schlicht der Ansicht, dass proprietäre Treiber, die auf den Kernel zurückgreifen, einen Bruch der GPL darstellen und somit per se unzulässig sind.

Hinzu kommt die moralische Seite: Menschen, die Jahre ihres Lebens investiert haben, um ein gutes, sicheres und stabiles System zu schaffen, sind verständlicherweise genervt, wenn andere ihre Arbeit nicht in dem Maße honorieren, wie sie es verdienen, sondern ihnen auch noch Steine in den Weg legen: dies führt über zur technischen Seite.

Proprietäre Treiber, gerade im Kernel, sind eine Sicherheitslücke. Jeder leidgeprüfte ATI-Nutzer kann ein Lied davon singen, wie anstrengend es ist, den proprietären „fglrx“-Treiber von ATI zu verwenden: bei jedem Kernel-Update ist es möglich, dass der Treiber danach mehr funktioniert und man im schlimmsten Fall vor einem schwarzen Bildschirm sitzt. Nur offene Treiber sind für die Kernel-Entwickler einsehbar, nur offene Treiber garantieren, dass ein System nach einem Update noch vollkommen intakt ist.

Und aus genau diesen Gründen ist es so großartig, dass sich AMD entschlossen hat, die ATI-Spezifikationen offenzulegen – noch ist Nvidia eindeutig im Vorteil, da der proprietäre Nvidia-Treiber um Klassen besser ist als der proprietäre Treiber von ATI, doch dies kann sich schnell ändern: sobald die ersten freien Treiber für ATI-Karten erhältlich sind, die dann auch funktionieren und 3D-Funktionen zur Verfügung stellen, stellt sich für Nvidia die Gretchenfrage: will man ins Hintertreffen geraten oder entschließt man sich, mit der weltweiten FLOSS-Gemeinschaft zusammen zu arbeiten?

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