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Canonicals Ubuntu-Doppel-Strategie trägt Früchte

10. Oktober 2008

Ubuntu ist bekanntlich die einzige von einer Firma finanzierte GNU/Linux-Distribution, die nicht zwischen Community- und Firmenversion unterscheidet: Canonical finanziert Ubuntu, Punkt. Es gibt keine Ubuntu-Version speziell für Unternehmen, die proprietäre Zusatzfunktionen enthält oder speziell zertifiziert ist.

Red Hat und SUSE, die Platzhirsche im Enterprise-Bereich, verfolgen eine andere Strategie: Red Hat finanziert das Fedora-Projekt, das die Grundlage für das kommerzielle Red Hat Enterprise Linux (RHEL) bildet. SUSE verfährt mit OpenSuse und dem Suse Linux Enterprise Desktop (SLED) ähnlich, auch wenn man sich hier mittlerweile um eine aktivere Community bemüht.

Das Problem bei dieser Taktik: gemeinnütige Organisationen, die auf professionelle Software angewiesen sind, aber mit ihrem Etat haushalten müssen, fallen hier möglicherweise unter den Tisch. Auch Debian ist hier nicht immer eine Alternative, wenn die Software relativ aktuell sein soll.

Die logische Konsequenz für Wikimedia, die Organisation hinter Wikipedia: nach und nach ein Wechsel der verwendeten Software von einem Mix aus verschiedensten Fedora- und Red-Hat-Varianten hin zu einem einheitlichen Ubuntu-Verband, natürlich mit Ubuntu 8.04 Hary Heron. Ein weiterer Vorteil von Ubuntu greift hier ebenfalls: da Ubuntu 8.04 eine Version mit Long Term Support (LTS) ist, besteht keine Gefahr, in einem Jahr veraltete Software einsetzen zu müssen. Die Resourcen für die bisherige Organisation der Server können nun anderweitig eingesetzt werden, eine einheitliche Struktur ist gut und hilfreich.

Das alles bedeutet nicht, dass das Ubuntu-Modell das einzig sinnvolle ist. Ob Canonical mit dieser Strategie wirklich Gewinne erwirtschaften kann, muss erst noch bewiesen werden. Auf alle Fälle ist das Ubuntu-Modell bisher ein gelungener Mix aus Debian und Red Hat: eine kostenlose Version für alle, egal ob Privatanwender oder Firmen, betreut von einer vertrauenswürdigen Firma.

12 Kommentare leave one →
  1. Felix Schwarz permalink
    10. Oktober 2008 15:07

    > Ein weiterer Vorteil von Ubuntu greift hier ebenfalls: da Ubuntu
    > 8.04 eine Version mit Long Term Support (LTS) ist, besteht keine
    > Gefahr, in einem Jahr veraltete Software einsetzen zu müssen.

    Das ist zumindest missverständlich: Tatsächlich besteht (hoffentlich) keine Gefahr, in kurzer Zeit wegen fehlender Sicherheitsupdates mit unsicherer Software arbeiten zu müssen. Die eigentlichen Software-Versionen bleiben aber trotzdem stabil (so die Idee), so dass man in einigen Jahren durchaus mit „veralteter“ Software arbeitet, bei der aber die entdeckten Sicherheitslücken dennoch behoben wurden.

    > Das Problem bei dieser Taktik: gemeinnütige Organisationen, die auf
    > professionelle Software angewiesen sind, aber mit ihrem Etat
    > haushalten müssen, fallen hier möglicherweise unter den Tisch. Auch
    > Debian ist hier nicht immer eine Alternative, wenn die Software
    > relativ aktuell sein soll.

    „Relativ aktuell“ und eine stabile, wartungsarme Umgebung schließen sich aus, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Bei Distributionen mit langen Supportzyklen gibt es halt z.B. Kernel 2.6.18 und nicht .27. Da muss man sich halt entscheiden, was einem wichtiger ist. Solange die Distribution planbare Updates veröffentlicht (z.B. alle 18-24 Monate), sollte man damit umgehen können.

    Der Punkt der planbaren Updates ist aus meiner Sicht auch der einzige Negativpunkt an Debian. Ansonsten verstehe ich persönlich nicht, warum man nicht zu CentOS wechselt, wenn ohne derzeit Red Hat-basierte Distributionen eingesetzt werden.

    fs

  2. Michael permalink
    10. Oktober 2008 15:26

    @Felix Schwarz

    CentOS wäre bei der jetzigen Basis in jeder Hinsicht die überlegenere Wahl gewesen. Von daher gehe ich davon aus, dass im Hintergrund andere Faktoren wie Mark S. eine Rolle gespielt haben.

  3. Tom permalink
    10. Oktober 2008 16:06

    @Michael: Die werden CentOS wohl in Erwägung gezogen haben und Ubuntu für besser befunden haben. Das Mark irgendwas „im Hintergrund“ gemacht hat ist pure Spekulation (Verschwörungstheoretiker?).
    Außerdem hat Ubuntu schnellere Sicherheitsupdates als CentOS und eine richtige Firma in Hintergrund.

  4. 10. Oktober 2008 16:15

    @Michael:

    Ah ja, weil du das so sagst, oder…? ;)

  5. Michael permalink
    10. Oktober 2008 18:59

    @Tom: CentOS hat Red Hat mit RHEL im Hintergrund. Eine bessere Basis gibt es nicht. Das bietet höhere Qualität, bessere Patches (die zumindest auch funktionieren), KnowHow das weder Cnonical geschweige denn die Ubuntu Community liefern kann und es gibt direkt im CentOS Projekt Firmen die dafür kommerziellen Support anbieten. Canonical ist nun nicht die Firma die man für Linux Support zu Rate zieht, das Thema gab es erst vor kurzem. Zudem sind die Patches von Ubuntu nicht wirklich schneller und zudem von Debian abhängig. CentOS ist Ubuntu in jeder Hinsicht bei weitem überlegen, es gibt so keinen technischen oder finanziellen Aspekt dagegen.

    @LH:

    Gibt es einen Punkt der gegen CentOS spricht? Dann her damit.

    Es wäre nicht die erste fragwürdige Aktion von Mark S. der alles tut um mit Ubuntu irgendwie in den Markt zu dringen. Der macht das Projekt nicht aus Freundlichkeit und er steckt da auch nicht aus Nächstenliebe soviel Geld rein.

  6. Tom permalink
    10. Oktober 2008 19:51

    @Michael: Bla bla bla .. ich bin mir sehr sicher dass die Admins der Wikipedia Dir in jeder Beziehung überlegen sind :P

  7. Felix Schwarz permalink
    10. Oktober 2008 20:01

    CentOS hat auf jeden Fall den Nachteil der geringeren Paketzahl (zumindest, wenn man Universe/Multiverse & Co. mitzählt). Bei CentOS gibt es zwar RPMforge (relativ wenige Personen im Hintergrund) bzw. Fedora EPEL, aber ich denke trotzdem, dass es absolut gesehen mehr Ubuntu/Debian-Pakete gibt. Inwieweit die Qualität/Langzeitbetreuung bei diesen Paketen gewährleistet ist, ist natürlich noch einmal ein anderes Thema.

    Ansonsten gibt es sicherlich genug rationale Gründe, von Red Hat zu Ubuntu zu wechseln. Ggf. fühlen sich die Admins unter Debian/Ubuntu auch einfach wohler, was man nicht vernachlässigen sollte.

    fs

  8. Admin permalink
    11. Oktober 2008 09:24

    @Felix, eine geringere Paketzahl??? Hier gehts nicht um ein Desktopsystem, sondern um einen Server. Wenn CentOS alle Pakete hat die Wikipedia benötigt und da bin ich mir sicher, dann ist die Anzahl der verfügbaren Pakete absolut egal.

    Man sollte sich bei der Gelegenheit mal Dag Wieers Artikel durchlesen:
    http://dag.wieers.com/blog/ubuntus-need-to-catch-a-wave

    Für mich wäre der einzige Grund hier für Ubunte, wenn sich die Admins damit besser auskennen, wobei ich mich dann fragen würde, ob es hier um professionelle Admins geht, denn Ubuntu hat bisher im professionellen Bereich keine Rolle gespielt, von daher findet man im professionellen Bereich eher Admins, die mit RHEL/CentOS/SLES/FreeBSD vertraut sind.

  9. das Chicken permalink
    11. Oktober 2008 18:01

    @Admin
    soviel zum Thema „professionelle Admins“:
    http://www.heise.de/open/Einbrueche-in-Fedora-und-Red-Hat-Server–/news/meldung/114666

  10. Felix Schwarz permalink
    12. Oktober 2008 19:29

    @das Chicken
    Einbrüche sind überall schon passiert. Bei Debian/Ubuntu gab sogar das OpenSSL-Sicherheitsdebakel. Gerade, dass Ubuntu diesen Patch offenbar ohne weitere Prüfung übernommen hat, finde ich höchst bedenklich für ein Unternehmen, dass ein Enterprise-Linux „verkaufen“ will.

    Zum anderen haben es die Red Hat/Fedora-Admins innerhalb 1 1/2 Wochen geschafft, nahezu die gesamte Infrastruktur komplett neu aufzusetzen. Das ist – zumal die Aktion nicht geplant werden konnte – für mich ein Zeichen von sehr fähigen und gut organisierten Admins.

    @Admin
    Ich kenne den Artikel von dag. Trotzdem hat Debian mehr Pakete, auch bei Libraries, kleinen Hilfstools etc. Manchmal ist es da eben bequem, sich einfach auf den Distributor verlassen zu können.

    Ich verstehe nicht, warum so krampfhaft CentOS hochgehalten wird. CentOS hat attraktive Features anzubieten (ich setze es ja selbst in großem Stil ein), aber es gibt eben u.U. auch besseres. Ein Negativpunkt an CentOS ist sicherlich die Projektorganisation, gerade im „inner circle“.

  11. Felix Schwarz permalink
    12. Oktober 2008 19:32

    Noch ein Nachtrag @Admin
    „denn Ubuntu hat bisher im professionellen Bereich keine Rolle gespielt, von daher findet man im professionellen Bereich eher Admins, die mit RHEL/CentOS/SLES/FreeBSD vertraut sind.“

    Ich kenne inzwischen recht viele Unternehmen (auch diverse (M)DAX-Unternehmen), die Ubuntu LTS inzwischen auf dem Server einsetzen. Und Debian war meiner Wahrnehmung nach immer schon relativ beliebt. Daher denke ich, dass man persönliche Erfahrungen nicht überschätzen sollte.

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